Projekt

Bündnis gegen Homophobie

Ziel des Bündnisses ist es, gemeinsam jeglicher Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung entgegenzutreten.

Das Bündnis gegen Homophobie ist ein Zusammenschluss relevanter gesellschaftlicher Organisationen und Institutionen aus den Bereichen Sport, Kultur und Wirtschaft.

Kampagne 2017

Mit dem Thema Religion und Homosexualität unter dem Slogan “TRAUT EUCH! TRAUT UNS!” startet 23. Mai 2017 die neue Kampagne des Bündnisses gegen Homophobie:

Plakat mit der Aufschrift "Traut euch! Traut uns!": Ein Hoschzeitspaar aus zwei Frauen umringt von Religionsvertreter*innen.     Plakat mit der Aufschrift "Traut euch! Traut uns!": Ein Hoschzeitspaar aus zwei Männern umringt von Religionsvertreter*innen.

Aufruf des Berliner Bündnisses gegen Homophobie

Anerkennung und Respekt für gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Homophobie ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Sie zu bekämpfen, ist die Pflicht der ganzen Gesellschaft. Die Unterzeichner dieses Aufrufes sind sich einig, dass Homophobie nicht tatenlos hingenommen werden darf. Wir wollen der verbreiteten Homosexuellenfeindlichkeit gemeinsam entgegentreten. Deswegen haben wir uns im „Berliner Bündnis gegen Homophobie“ zusammengeschlossen.

Homophobie ist eine soziale, gegen nicht-heterosexuelle Menschen gerichtete Feindseligkeit. Es handelt sich um eine irrationale, sachlich nicht begründete, Aversion gegenüber homosexuellen, bisexuellen und transidenten Menschen und ihren Lebensweisen. Homophobie hat viele Facetten und Ausdrucksformen: Diskriminierung, Ausgrenzung und Benachteiligung, Beleidigung, Mobbing, Körperverletzung und Sachbeschädigung, Verschwörungstheorien, Hassparolen und Hetzartikel.

Die Unterzeichner sind zutiefst beunruhigt über den hohen Verbreitungsgrad homosexuellenfeindlicher Einstellungen. Besonders besorgniserregend ist es, dass Homophobie auch unter jungen Menschen weit verbreitet ist. Auf Schulhöfen gehört „schwule Sau“ heute wieder zu den meistbenutzten Schimpfwörtern.

Homophobie senkt die Schwelle zur Gewaltanwendung. Beleidigungen, Pöbeleien und gewalttätige Übergriffe gehören auch heute noch zu den Alltagserfahrungen vieler Homosexueller. Von einem hohen antihomosexuellen Gewaltpotential zeugt auch, dass das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ein Jahr nach seiner Einweihung bereits drei Mal beschädigt wurde.

Homophobie geht uns alle an. Denn Homophobie ist ein Angriff auf die Grundwerte unserer Gesellschaft. Die Berliner Verfassung gebietet, dass kein Mensch aufgrund seiner sexuellen Identität benachteiligt werden darf – ebenso, wie sie die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Abstammung, der Rasse, der Sprache, der Heimat und der Herkunft, des Glaubens und der religiösen oder politischen Anschauungen verbietet. Wir wollen, dass die Verfassungswirklichkeit für Homosexuelle in Berlin auch zur Lebensrealität wird. Bei der Freiheit des Einzelnen und dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung dürfen in einer demokratischen Gesellschaft keine Abstriche gemacht werden.

Wir, die Unterzeichner dieses Aufrufes, verpflichten uns, im Alltag jeglicher Form von Diskriminierung entgegenzutreten. Wir engagieren uns für Anerkennung und Respekt gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern. Unser Ziel ist ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Homophobie, das Hass und Intoleranz offensiv entgegentritt und die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen fördert.

Mitglieder

Aktuell gehören dem Bündnis 108 Organisationen und Unternehmen an. Zuletzt eingetreten sind die Stromnetz Berlin GmbH, die bbw Hochschule, die Qbe Mobile Hotels GmbH, der FSV Hansa 07 Berlin e.V., die weißensee berlin kunsthochschule, die Getränke Nordmann GmbH, der SV Empor Berlin e.V., die Schalldruck Veranstaltungstechnik GmbH sowie das Hotel Almodóvar.

Wenn auch Sie mit Ihrem Unternehmen Mitglied des Bündnis werden wollen, nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf!

Übersicht aller Mitglieder

Geschichte

Am 23. September 2009 wurde im Roten Rathaus das Berliner „Bündnis gegen Homophobie“ gegründet. Als Erstunterzeichner haben sich in dem Bündnis 24 relevante gesellschaftliche Organisationen, Institutionen und Unternehmen zusammengetan, um ein klares Zeichen zu setzen gegen Homosexuellenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt.

An der Gründungsveranstaltung nahmen neben Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit u.a. Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch, der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Michael Joachim, und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, teil. Initiator des Bündnisses ist der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. Dem Bündnis gehören u. a. die Deutsche Bank und die SAP AG, die Akademie der Künste und die Deutsche Oper, der Deutsche Fußball-Bund e.V. und Hertha BSC, der Landessportbund und der Deutsche Gewerkschaftsbund an.

Mittlerweile zählt das Bündnis gegen Homophobie über 100 Unternehmen, Organisationen und Vereinigungen aus Berlin zu seinen Mitgliedern.

Die Bündnistreffen

Zweimal pro Jahr treffen sich die Mitglieder des Bündnisses gegen Homophobie: Das erste Treffen – meist im Frühjahr/Sommer – ist eher ein Arbeitstreffen; hier werden z.B. der Themenschwerpunkt des Jahres diskutiert und die Kampagne vorgestellt. Demgegenüber steht das zweite Treffen am Ende des Jahres ganz im Zeichen der alljährlichen Respektpreisverleihung.

Respektpreis

Seit 2010 verleiht das Bündnis gegen Homophobie jährlich den Respektpreis und würdigt damit das herausragende Engagement für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen sowie trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) durch eine Person oder Einrichtung aus der Mitte der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft.

Die Mitglieder des Bündnisses entscheiden stets mit einfacher Mehrheit, wer den Respektpreis erhalten soll. Dieses Jahr stimmten sie mit deutlicher Mehrheit für den jungen Aktivisten Nasser El-Ahmad: Der Sohn einer libanesischen, streng muslimischen Familie, hat sich erfolgreich gegen die Unterdrückung durch seine Verwandten gewehrt. Durch den offensiven Umgang mit seiner Entführung ins Ausland hat er in einer breiten Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für die schwierige Situation schwuler Männer in muslimischen Familien geschaffen.Unter den jährlich in Berliner Beratungsstellen bekannt werdenden Fällen von versuchter Zwangsverheiratung befinden sich auch lesbische und schwule Opfer. Aus Furcht vor drohender Gewalt in ihren eigenen Familien, für die Homosexualität völlig inakzeptabel ist, halten viele Betroffene ihre sexuelle Orientierung geheim. Mit seinem erfolgreichen Widerstand gibt El-Ahmad Beispiel und Ermutigung für viele betroffene junge Männer und Frauen, holt sie aus der Anonymität und der Isolierung und setzt unter großer persönlicher Gefahr ein unübersehbares Zeichen gegen Homophobie und Transphobie.

Senatorin Dilek Kolat überreichte El-Ahmad die Auszeichnung am 2. Dezember im Rahmen des Bündnistreffens im Radisson Blu Hotel. Unterstützt wurde die Preisverleihung neben dem Radisson auch vom langjährigen Bündnismitglied Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).